Brief an die Bundeskanzlerin

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Brief an die Bundeskanzlerin

Beitrag von Nepal-Ne am Fr Mai 16, 2008 12:38 am

Liebe Nepalis,

ich stehe nun wahrscheinlich auf der schwarzen Liste der "very dangerous people", und werde sicherlich in absehbarer Zeit als Feind der oberen 1000 gehandelt, aber wir leben ja nunmal in einer Demokratie - oder? Und die verpflichtet auch!

Nach der unglaublichen Entwicklung der Rückziehtaktik zugunsten Schweigen ist Gold, und der "Schimpfe" unserer gesamten "Volksverdreher" gegen die einzig übrig gebliebenen Ministerin, die den Dalai Lama noch empfangen will, musste ich meinem Unmut (sehr zahm) Luft machen.

Unten angefügt mein Brief an unsere Bundeskanzlerin Frau Merkel.

Tashi Delek - und ein schönes WoE
Nele

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Merkel,

die neuesten Entwicklungen in Bezug auf den Besuch Seiner Heiligkeit, des 14-ten Dalai Lama, lassen mich ein wenig wehmütig an das letzte Jahr zurück denken, in dem Sie, Frau Bundeskanzlerin, Seine Heiligkeit hier im demokratischen Deutschland empfangen haben. Für mich war dies ein bewundernswertes deutliches Zeichen, dass sich mein Heimatland nicht einschüchtern lässt, und unsere Bundeskanzlerin für den Gedanken der Demokratie und der Einforderung von Menschenrechten im Namen Deutschlands einsteht.

Um so weniger verstehe ich nun, warum die Regierungsvertreter meines Landes eine 180 Grad Wendung machen, und dem geistigen Führer der Tibeter am liebsten noch die Einreise verweigern würden. Und vor allem ist für mich nicht zu verstehen, warum aus einem Besuch des Dalai Lamas, eventuell auch einem freundschaftlichen Empfang von Seiten der Regierung Deutschlands, nun ein Staatsakt gemacht wird. Diese Haltung macht für mich jegliches vormaliges Bemühen um Menschenrechte seitens meines Landes unglaubwürdig.

Kein Tibeter, aber ein weiser Indianer vom Stamme der Cree, sagte einmal vor ca. 200 Jahren "Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werden die Menschen feststellen, dass man Geld nicht essen kann." Und dann wird man vielleicht auch verstehen, wie wichtig es ist Kulturen zu schützen, und Menschenrechte einzufordern, ohne Rücksicht auf das Profitdenken einer Minderheit.

Mit meinem Schreiben möchte ich Sie, und die Vertreter der Bundesrepublik Deutschland bitten, nochmals über die Auswirkungen der jetzigen Debatte über den Besuch Seiner Heiligkeit nachzudenken.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Hochachtungsvoll
Cornelia Bernhardt-Fleischmann

Nepal-Ne
Gast

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